Erste Hand, scheckheftgesprengt

Neuwagen, nein danke: Marion Jaenike fährt ihren Golf seit 1990 – aus Überzeugung und allen Abwrack- und Umweltprämien zum Trotz. Gelungen ist ihr das mit einer einfachen Strategie.

Von Haiko Prengel

Die Assistenzsysteme waren früher simpel, aber funktional. Wenn Marion Jaenike in ihrem VW Golf 2, Baujahr 1989, nach Frischluft ist, kurbelt sie die Fenster von Hand herunter. Als Einparkhilfe nutzt sie die großen Fenster – dank guter Rundumsicht braucht es keine elektronischen Sensoren. Nicht einmal eine Servolenkung hat der weiße Volkswagen. »Ja, da muss ich beim Fahren schon zulangen«, sagt die pensionierte Krankenschwester aus Bremen. »Mein Prinz fährt sich etwas derber.«

»Prinz«, so nennt Marion Jaenike ihren automobilen Gefährten. Seit mehr als 30 Jahren begleitet er die Bremerin. Im Frühjahr 1990 wurde der Wagen erstzugelassen. Damals war gerade die Mauer gefallen, aber der Golf war noch ein Produkt aus »West Germany«. SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine überlebte ein Messerattentat nur knapp. Und im Radio dudelte Matthias Reims Schlagerhit »Verdammt ich lieb dich«.

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