Suzuki Swift Hybrid im Test: Mild und zuvorkommend

Der Swift von Suzuki in der Version als Mild-Hybrid ist ein Kleinwagen, dem die Technik zu viel verhilft. Nur das neue Fahrwerk wurde offenbar etwas vernachlässigt.

Wurde der falsche Testwagen geliefert? Wir sind im Suzuki Swift unterwegs, und am Heck trägt er den Schriftzug „Hybrid“. Doch von Elektrotechnik ist nichts zu spüren; weder fährt das Auto in einem Elektro-Modus geräuschlos an, noch ist ein außerordentliches Beschleunigungstalent wie bei anderen Hybriden zu verzeichnen. Wer die Betriebsanleitung studiert, erfährt schließlich, dass hier – im Unterschied zu einem Voll-Hybriden – ein Mild-Hybrid-System mit integriertem Starter-Generator (ISG) agiert.
Drei Zylinder und wenig Durst
Boosterjet: Ein Erfolgsmotor bei Suzuki
Dabei handelt es sich im Grunde um eine erweitertes Start-Stopp-System, das mehr verrichtet, als nur den Motor an der Ampel in Windeseile wieder anzuwerfen: Denn sobald man bremst, erzeugt der Generator Strom, der in einer Lithium-Ionen-Batterie zwischengespeichert wird. Beim Anfahren und Beschleunigen unterstützt der Generator mit dieser rückgewonnenen Energie – für den Fahrer nahezu unmerklich – den Dreizylinder, der ansonsten die Hauptarbeit verrichtet.
Doch an der Zapfsäule spürt man den Effekt: In der Stadt bewegt liegt der Verbrauch knapp einen Liter unter dem des Swift ohne diese Technik. Wir erzielten innerorts 5,0 Liter, auf der Landstraße kamen wir auf 4,3 – Werte, die den Normverbrauch kaum übersteigen. Eine Seltenheit.
Der Swift rollt auf einer neu entwickelten Plattform
Schnittiger Look, rumpelndes Fahrwerk
So gesehen stimmt einen der Swift schon mal gnädig, auch was das durchaus agile Fahrgefühl betrifft, das durch ein leicht schwammiges Lenkgefühl um die berühmte Mittellage herum und die etwas dürftigen Rückstellkräfte der Lenkung getrübt wird.
Doch sobald man aufs Gas drückt, meldet sich der angesichts eines Leergewichts von gut einer Tonne durchaus quirlige Dreizylinder mit einem Schnattern, als müsse er es mit einer Nähmaschine aufnehmen. Akustisch, aber angesichts seiner Vibrationen meldet sich das Motörchen, das den Raum unter der Haube kaum ausfüllt, auch haptisch beim Sitzfleisch – das auch dem rumpeligen Fahrwerk so manche Stöße zu verdanken hat.
Teilweise kratzanfällige Oberflächen
Aufgeräumt, aber einfache Materialien – das ist der Swift-Innenraum
Dass Komfort nicht die Sache des Swift ist – darüber kann auch die gefahrene Comfort+-Ausführung nicht hinwegtäuschen. Sie umfasst zwar Dinge wie eine weitenverstellbare Lenksäule, Klimaautomatik oder LED-Scheinwerfer und eine Heizung für die Vordersitze.
Doch ändert die Topvariante nichts daran, dass die Polster recht dünn sind und es für USB- oder AUX-Buchse sowie den ganzen Fond keine Beleuchtung gibt. Wen Gebrauchsspuren stören, dem dürften vor allem die Türverkleidungen missfallen, an denen Regentropfen schnell Flecken hinterlassen oder die kratzanfällige Seitenauskleidung im Kofferraum.
Ladevolumen mindestens 265 Liter
Hinter der Heckklappe kann der Swift 265 bis 947 Liter verstauen
Aber das sind Marginalien – angesichts der wahren Talente, die neben dem ISG vor allem bei den Assistenten zu finden sind: Denn hier bietet der Swift weit mehr als die meisten Kleinwagen. Zwar fährt er in der Basisausführung mit Lichtsensor und Bremsassistent, doch bestellt werden kann: ein Notbremsassistent, Kollisionswarner, Müdigkeitsüberwachung, ein sich per Lenkradvibration meldender Spurhalteassistent, ein Fernlichtassistent sowie ein feinfühlig arbeitender Abstandstempomat, der allerdings nicht bis Stillstand funktioniert. Ein Stau- oder Kreuzungsassistent oder ein Head-up-Display wären dann aber doch zu viel des Guten.
Sensoren im Kühlergrill
Sensorarbeit: Für Kollisionswarner oder Spurhalteassistent hat der Kleinwagen auch im Grill Zusatztechnik
Dafür besitzt das befriedigend schnell reagierende Touch-Display des Infotainment-Systems ein praktisches Details: Es steht nach oben leicht über, hält man sich mit den restlichen Fingern dort fest, lassen sich Befehle mit dem Daumen auch während der Fahrt recht treffsicher erteilen. Ein iPhone ließ sich per Bluetooth aber auch über USB zwecks Apple CarPlay problemlos einbinden.
Smartphones lassen sich ins Infotainment einbinden
Konnektivität: Der Swift arbeitet mit Smartphones Hand in Hand
Navi-Ansagen unterbrechen Musik oder Radio allerdings komplett, und Empfangslücken des digitalen DAB-Radios glich das FM-Tuner nur unbefriedigend aus. Auf ein CD-Laufwerk verzichtet Suzuki sowie auf eine bessere Montage der Linse für die Rückfahrkamera – deren Bild ist bei Wind und Wetter schnell beeinträchtigt und zeigte Makro-Bilder von Regentropfen über den halben Bildschirm.
Geschmackssache: Der weit nach oben gerückte Türgriff
Doch welches Gesamtbild bleibt vom Swift? Im Detail gibt es viel zu verbessern. Doch ein Kleinwagen kann auch nicht alles. Mit dem sparsamen Motor und der fortschrittlichen Assistenztechnik an Bord ist viel gewonnen. Und äußerlich ist die Neuauflage auch schnittiger geworden, zumindest sieht er nicht verkehrt aus.

AUTOGRAMM Suzuki Swift 1.0 Boosterjet SHVS Comfort+

 
Motor/Antrieb: Dreizylinder-Benziner mit Mild-Hybridsystem (SHVS), 998 cm³, 111 PS, 170 Newtonmeter, Start-Stopp-Automatik, 5-Gang-Handschalter, Euro 6b.
 
Abmessungen: 3,84 Meter lang, 1,74 Meter breit, 1,48 Meter hoch. Kofferraum 265 – 947 Liter.
 
Fahrleistungen: max. Geschwindigkeit 195 km/h, von 0 auf 100 km/h in 10,6 Sekunden.
 
Verbrauch: (laut Hersteller) innerstädtisch 4,8 Liter, über Land 4,0 Liter, Mix 4,3 Liter.
 
CO2-Ausstoß: 97 Gramm pro Kilometer.
 
Ausstattung: Audiosystem (USB/AUX/DAB/Bluetooth), adapt. Tempomat, LED-Scheinwerfer/Fernlicht-Assistent, Rückfahrkamera, Klimaautomatik, Sitzheizung.
 
Extras: Metallic-Lackierung (500 Euro), Lackierung zweifarbig (330 Euro), Mittelarmlehne (260 Euro), Cargo-Box (256 Euro).
 
Text: Stefan Weißenborn Bilder: Hersteller

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